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Charlie Hebdo und die Folgen

Das grausame und brutale Attentat auf die Mitarbeiter von Charlie Hebdo hat nicht nur weltweite Bestürzung und Trauer hervorgerufen, sondern auch eine gefährliche Debatte um das Wesen und die Verantwortung des Islam entfacht. Während die einen die Friedfertigkeit des Islam betonen und die Ereignisse unabhängig von der Religion betrachten wollen, schüren andere Misstrauen und unterstellen einen Hang zur Gewalt. Angesichts der Hintergründe der Täter, deren Äußerungen und deren Ziel kann man auf der einen Seite kaum einen religiösen Zusammenhang und einen Bezug zum Islam leugnen. Auf der anderen Seite wäre es jedoch völlig verkehrt, eine einseitige Schuldzuweisung vornehmen zu wollen, an deren Ende ein fataler Generalverdacht stünde. Wut und Ohnmacht bringen in solchen Zeiten häufig sehr einfache Erklärungen und Lösungen hervor, die dann aber schnell zu dem Beginn einer Spirale aus Intoleranz, Hass und Gewalt führen können.

Will man daher einen Flächenbrand vermeiden, so ist eine differenzierte Betrachtungsweise der Geschehnisse unabdingbar, damit diese nicht von den Drahtziehern von Pegida, AFD & Co. auf schreckliche Weise missbraucht werden können. Denn wenn wir es jetzt zulassen, dass den Mitgliedern einer einzelnen Religionsgemeinschaft mit Misstrauen und Ausgrenzung begegnet wird, dann führt das unweigerlich zu Abgrenzung und Segregation. Wir rühmen uns gerne, eine aufgeklärte und säkulare Gesellschaft zu sein. Daher sollten unsere Antworten, auf das was geschehen ist, auch auf den Ideen und Gedanken der Aufklärung basieren. Ein wichtiges Leitmotiv in diesem Zusammenhang finden wir in der Lessingschen Ringparabel aus dem 18. Jahrhundert, die die Gleichwertigkeit der drei großen monotheistischen Religionen betont und uns zu gegenseitigem Respekt mahnt. Wer diese Gleichwertigkeit nicht anerkennt, erzeugt automatisch eine wechselseitige Unterteilung in eine religiös bedingte Ingroup und eine Outpgroup, aus der es dann kein Entrinnen mehr gibt, sofern man sich einer dieser Religionen zugehörig fühlt. Wozu das schließlich führen kann, mussten wir im letzten Jahrhundert bitter erfahren und es wäre tragisch, wenn wir daraus nichts lernten.

Hinzu kommt, dass keine dieser Religionen ausschließlich friedlich oder ausschließlich gewalttätig ist. Vielmehr ist der dual use Charakter den religionsstiftenden Schriften inhärent und all die Exegeten sowie die weltlichen und religiösen Führer konnten stets auf einen breiten Fundus an Gedanken und Geschichten zurückgreifen, mit denen sich alles und nichts rechtfertigen ließ und lässt. Das Gebot zur Nächstenliebe und Friedfertigkeit lassen sich genauso aus allen drei Religionen herauslesen wie auch die schrecklichste Verfolgung anders denkender und der Hass gegen alles, was nicht der jeweiligen Norm entspricht. Wir sollten daher nicht der Versuchung erliegen, unsere Gedanken nur auf einen kleinen Zeitraum und begrenzte Regionen zu konzentrieren, sondern sollten sehen, dass alle Religionen zu jeder Zeit und an jedem Ort benutzt worden sind, um Menschen zu ganz unterschiedlichen Handlungsweisen zu führen, wobei diese Handlungsweisen ihrerseits wiederum auf dem jeweiligen Eigeninteresse derjenigen beruhten, die sie hervorriefen.

Aufklärung und Humanismus haben hingegen die Basis für einen einheitlichen Wertekanon geschaffen, der sich am Menschen selbst orientiert und gleichzeitig durchaus auch als Gegenmodell zur praktizierten Religion verstanden werden darf. Das Recht auf Leben und Unversehrtheit sind darin so universell wie auch der Ausschluss von Diskriminierung, die Meinungsfreiheit, die Rechtsstaatlichkeit oder die demokratische Grundordnung konstituierend sind. Explizit gehört dazu auch die Religionsfreiheit, der in dem hier diskutierten Zusammenhang eine besondere Bedeutung zukommt. Auch und gerade als Atheist wünsche ich mir, dass die Geschehnisse nicht dazu missbraucht werden, Religionen gegeneinander auszuspielen, sondern dass diese sich ganz im Gegenteil mit noch mehr Offenheit begegnen.

Zu der Analyse gehört aber auch, dass solch schreckliche Taten wie in Frankreich fast nie monokausal sind. Es wäre zu kurz gedacht, nur auf das Thema Religion abzielen zu wollen. Im Regelfall bedarf es neben der religiösen vieler weiterer Faktoren und Ursachen, zum Beispiel politischer, sozialer, und psychologischer Natur, die miteinander in Wechselwirkung stehen, damit überhaupt grundlegende Eigenschaften der Menschlichkeit ausgeschaltet werden können. Dabei bilden vor allem Armut, Perspektivlosigkeit und das Gefühl der Ausgrenzung den Nährboden für solche Entwicklungen, die dann in Kombination mit religiöser Verblendung durch Fanatiker dazu führen, dass am Ende sogar die Achtung vor anderen Menschen und der eigene Selbsterhaltungstrieb überwunden werden.

Die Verantwortung, solchen Entwicklungen wirksam begegnen zu können, lässt sich dabei nicht auf einen Staat abschieben. Denn dieser reagiert schlimmstenfalls mit immer tief greifenderen Überwachungssystemen, die am Schluss die Freiheit vieler einschränken, ohne dabei den Einzelfall verhindern zu können. Nein, vielmehr ist jedes Mitglied unserer Gesellschaft gefordert, sich gegen Intoleranz und Ausgrenzung zu stemmen und stattdessen für die genannten Werte der Aufklärung einzustehen und gleichzeitig darauf zu achten, potenzielle Verlierer der Gesellschaft nicht fallen zu lassen. Nicht staatliches Handeln, sondern in erster Linie das Miteinander der Menschen bieten die Möglichkeit, solche Ereignisse wirksam zu verhindern.

1 Response
  • Robin
    25. Januar, 2015

    Freiburger! Seid doch froh dass die Bürger eine Möglichkeit bekommen, ihre Stimme zu einem neuen Stadion abzugeben. Wo gibts sonst sowas? Trotzdem, auch die Stimmen sind nicht das Entscheidende, die Politiker können auch so oder so das Stadion genehmigen. Ein Umbau ist unmöglich, ich weiss gar nicht warum hier immer noch Unwissende ihre Dreistigkeit herausnehmen und hier als Besserwisser und Weltverbessererer auftreten!!! Immerhin verdienst die Stadt immensen Summen an Gewerbesteuer, die der SC abgeben muss. Und auch die Jobstellen darf man nicht vergessen. An die geplagten Nachbarn des Schwarzwaldstadions denk keiner, aber an bekloppte Kerosinverteiler eher schon. Wie erbärmlich doch man einer hier seinen Scheiss mitteilt.

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