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Anstrengungslose Flüchtlingshilfe gibt es nicht – Ein Appell an die liberalen Kräfte

Das derzeit omnipräsente Thema des Umgangs mit Flüchtlingen offenbart ein erschreckendes Maß an politisch-geistiger Instabilität in Deutschland, der wir schleunigst begegnen müssen. Es wird von Tag zu Tag offensichtlicher, dass sich die liberalen Geister in unserem Land Sorgen machen müssen und mancher Entwicklung nicht tatenlos zusehen dürfen, wenn wir nicht mühsam erarbeitete Errungenschaften in Fragen der Humanität verlieren wollen.

So wurden Menschen, die in ihrer Not nach Deutschland geflohen sind, um Schutz zu suchen, nur für einen sehr kurzen Moment freundlich, generös und manchmal vielleicht sogar etwas überschwänglich empfangen. Sobald es aber manchen dämmerte, dass mit dieser Situation auch gewaltige Herausforderungen, Veränderungen und Anstrengungen verbunden sein würden, kippte die Stimmung schnell. Plötzlich waren da nicht mehr die Bilder und wohlmeinenden Kommentare über Menschen, die großes Leid erfahren haben und denen man ganz selbstverständlich Hilfe zukommen lassen will, wie es auch unser Grundgesetz vorschreibt. Vielmehr werden gerade Berichte und Bilder von dem von AFD, Pegida & Co. gespeisten Mob auf der Straße zur Normalität. Ungeniert und ohne Hemmungen werden dort wieder deutsch-nationale Parolen gebrüllt und die zu uns in Not gekommenen Menschen mit Schmähungen und Erniedrigungen überzogen. Nicht minder schlimm sind jedoch die im bürgerlichen Gewand erscheinenden geistigen Brandstifter wie Horst Seehofer oder Markus Söder von der CSU. Sie stürzen sich wie Geier auf die diffusen Ängste und Sorgen der Menschen und verstärken diese bzw. potenzieren sie sogar, nur um daraus auf dem Rücken der Flüchtlinge Profit in Form von Wählerstimmen zu saugen. Das ist so erschreckend wie abstoßend. Völlig unverständlich ist dabei allerdings auch, dass Angela Merkel mit ihrer in der Flüchtlingsfrage sehr respektablen Haltung diese Stimmungsmache zulässt und dagegen nicht einschreitet. Denn wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir schnell die Bodenhaftung zu unserem Grundgesetz, das im Artikel 1 die Würde des Menschen ins Zentrum rückt. Genau diese Würde geht aber verloren, wenn Menschen aus anderen Ländern pauschalen Unterstellungen und Vorurteilen ausgesetzt werden, wie es jüngst in Hardheim zu beobachten war und ist (siehe dazu Artikel aus der FAZ vom 8.10.2015). Unter dem Vorwand, man wolle lediglich einige ganz harmlose Benimmregeln den Menschen mit auf den Weg geben, wurde diesen unter anderem deutlich gemacht, dass man sie vorwiegend für unzivilisierte und unhygienische Diebe hält, die ihre Notdurft nur im Freien verrichten und denen man erst einmal die Grundlagen einer zivilisierten Gesellschaft beibringen müsse. Solche Aktionen sind meilenweit davon entfernt, nur höfliche und gutgemeinte Hinweise auf kulturelle Besonderheiten zu sein verbunden mit Erklärungen zum herrschenden Wertesystem oder einer kleinen Regelkunde. Vielmehr sind sie Sinnbild dafür, dass aus einer Willkommenskultur ganz schnell eine Ablehnungskultur geworden ist.

Dabei haben die Herausforderungen der zu leistenden Integration noch gar nicht begonnen. Wir haben noch nicht einmal ansatzweise den Überblick, wie viele Menschen, aus welchen Ländern, mit welchen Fähigkeiten und Bedürfnissen überhaupt da sind und wer wie lange bleiben wird oder muss. Wenn schon jetzt eine derart negative Stimmung aufkommt, möchte man sich gar nicht ausmalen, was passieren wird, wenn die eigentlichen Aufgaben der Integration starten, die selbstredend mit hohen Kosten und viel Aufwand verbunden sein werden. Hier müssen in meinen Augen die liberalen Kräfte der Mitte einen Beitrag gegen die politischen Ränder liefern. Wenn wir eine zivilisierte, anständige und von Mitmenschlichkeit geprägte Gesellschaft sein wollen und wenn wir zeigen wollen, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben, dann muss man auch manche Entbehrung und mancher neuen Belastung ins Auge sehen, ohne in überkommene Verhaltensmuster zurückzufallen. Mitmenschlichkeit, Integration und Hilfe gibt es nicht zum Nulltarif. Das sollten wir akzeptieren und die Herausforderung annehmen, anstatt über Grenzzäune zu diskutieren.

1 Response
  • Gunnar Sturm
    11. Oktober, 2015

    Hallo Sascha, die Themen Migration und Integration beinhalten einige positive Aspekte. Ich meine wir, die Liberalen sollten genau diese auch fördern.
    Im Gegenzug muss aber auch ein Asylmissbrauch vermieden werden, dann jedoch mit Optionen „ohne Gesichtsverlust“! Und da meine Vision: wer uns (D) wieder verlässt, muss überwiegend positive Erinnerungen und Werte mitnehmen!

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