Fahrlehrerverband zementiert Blockadehaltung

 Wer glaubte, dass die Geschehnisse in Goslar nur ein unglücklicher Betriebsunfall gewesen seien und die Fahrlehrerverbände sich noch eines besseren besinnen würden, der wurde auf der Jahrestagung des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. 

In seiner Eröffnungsrede teilte der Vorsitzende, Jochen Klima, kräftig gegen alle aus, die sich derzeit um eine Reform des aus der Zeit gefallenen Fahrlehrerechts kümmern. Eine erste Attacke galt dem Verkehrsministerium, weil es ja bislang noch keinen fertigen Gesetzentwurf geliefert habe. Dabei verschwieg der Vorsitzende aber geflissentlich, dass es ja gerade die Fahrlehrerverbände sind, die eine Reform derart scharf attackieren, dass sich die Verantwortlichen in der Politik sehr genau überlegen müssen, wann und ob sie überhaupt eine Reform auf den Weg bringen können und wollen. Es ist durchaus denkbar, dass die Verweigerungshaltung der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände eine Neufassung des Fahrlehrerrechts scheitern lässt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Vertreterinnen und Vertreter in den zuständigen Ministerien sich von den Angriffen der Berufsverbände trotz allem nicht beirren lassen.

Im weiteren Verlauf seiner Rede glitt Jochen Klima von zunächst sachlich wirkenden Attacken immer mehr in reine Polemik ab. Statt einmal die eigenen Positionen zu hinterfragen und sich zu überlegen, warum immer mehr Institutionen sich der taumelnden Fahrschulbranche annehmen müssen, wird ungehemmt gegen diese ausgeteilt. Jeder, der es im Moment wagt, außerhalb des Berufsverbands auch nur den Mund zu öffnen, eigene Vorschläge zu unterbreiten und Ideen einzubringen, wird sofort abgestraft. Dabei scheint vergessen zu werden, dass ein einzelner Berufsverband heutzutage keine absolutistische Alleinherrschaft mehr für sich beanspruchen sollte. Wir leben inzwischen im 21. Jahrhundert, in dem Meinungsvielfalt zum Standard gehört und sich auch demokratische Gepflogenheiten bei der Entstehung von Gesetzentwürfen etabliert haben.

Da aber die Fahrlehrerverbände sich anscheinend damit begnügen, nur die Vergangenheit zementieren zu wollen, sollten sie sich allerdings auch nicht wundern, wenn sich immer mehr Vertreter der Branche außerhalb des Berufsverbands einmischen, um das verstaubte Fahrlehrerwesen und auch die reformbedürftige Fahrausbildung in das 21. Jahrhundert zu befördern. Es ist zu begrüßen, wenn viele aus ganz unterschiedlichen Perspektiven um die beste Lösung für die Zukunft der Fahrschulen ringen. Alle Beteiligten sollten dabei ihre jeweiligen Kompetenzen einbringen können, anstatt nur als nicht legitimierte Lobbyisten von einem ehemaligen Platzhirsch diffamiert zu werden. 

Es ist nicht zielführend, wenn ein Jochen Klima anderen vorwirft, sie würden „rechtsfreie Räume“ schaffen wollen oder sie würden sich mit der Öffnung von Kooperationen auf ein Subunternehmertum zubewegen wollen. Das ist nicht nur sachlich falsch, sondern unfair. Mit solchen Angriffen erweist man der eigenen Branche einen Bärendienst. Denn angesichts der vielfältigen Herausforderungen der Fahrschulbranche wäre Kooperation statt Konfrontation das Gebot der Stunde.

Das Hauptreferat der Verbandstagung stand unter dem Motto „Deutschland braucht ein Update“. Schön wäre an einem solchen Tag die Erkenntnis, dass auch die Haltung der Fahrlehrerverbände dringend ein Update braucht. 

3 thoughts on Fahrlehrerverband zementiert Blockadehaltung

  1. Sehr richtig, Herr Fiek!

    Wie sieht das eigentlich Academy? Gibt es da nicht eine erheblich andere Meinung?
    wir bleiben dran und ich werde den Referentenentwurf unverzüglich nach Vorlage mit MdBs beraten.
    Dr. Harald Pohlmann
    Firmengruppe Fahrschule Zöllner

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