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Warum Martin Luther keinen Feiertag verdient hat

Wer einmal durch diverse Buchläden in unseren Städten läuft und all die Bücher und Merchandising Artikel zu Martin Luther betrachtet, könnte auf die Idee kommen, dass Taylor Swift oder Justin Bieber Konkurrenz als Popstars bekommen haben. Denn Deutschland ist einem regelrechten Lutherwahn verfallen. Obwohl weniger als ein Drittel der Gesellschaft – und das sogar vermutlich meist nur auf dem Papier – mit der Konfession etwas zu tun haben, die aus dem Wirken dieses Herrn entstanden ist, wurden wir alle anlässlich des 500. Jahrestags der Reformation vom Gesetzgeber mit einem Feiertag zwangsbeglückt. Dabei dürfte die Freude zumindest bei denen, die an diesem Tag tatsächlich nicht arbeiten müssen, so groß sein, dass man nicht weiter nach den Hintergründen fragt, schließlich schaut man ja auch einem geschenkten Gaul nicht ins Maul. Man entspannt, genießt und lässt Luther Luther sein. So einfach ist das.

Den berühmten Reformator jedoch so naiv anzuhimmeln wie Teenager den Popstar auf dem Poster an der Wand, wäre ein leichtfertiger Fehler. Denn hier geht es nicht nur um ein paar schön präsentierte und locker dahergeträllerte Songtexte, sondern um grundlegende Fragen der Weltanschauung. Seine Arbeit als Bibelübersetzer mag man ja durchaus würdigen und auch, dass er sich mit den mächtigen Vertretern des Christentums angelegt hat, um innerhalb des religiösen Systems Veränderungen zu erreichen. Aber reicht das allein schon aus, um ihn heute – gesetzlich beauftragt – zu feiern?  

Wer mit wachem Verstand die dunklen Seiten dieses Herrn aus Wittenberg betrachtet, muss das entschieden verneinen. Denn wer über die oberflächliche Betrachtung eines Denkmals und der berühmten Thesen hinausgeht, stößt auf eine zutiefst verstörende Gedankenwelt, die von Abscheu, Hass und Gewalt geprägt ist und dem aufgeklärten Leser einen Schauer über den Rücken jagt. 

Seine Befürwortung der Folter, seine Aufrufe zum Mord, seine ausgeprägte Obrigkeitshörigkeit, seine Frauenverachtung, sein Zorn auf aufständische Bauern und in erster Linie sein fundamentalistischer Judenhass sind Ausdruck einer Persönlichkeit, die all unseren Wertvorstellungen widerspricht. Unser Grundgesetz ist geradezu ein Gegenentwurf zu dem, was Martin Luther von sich gegeben hat. Würde er heute leben und versuchen, seine Ansichten über facebook zu verbreiten, würden wir in vielen Fällen auf sofortige Löschung und strafrechtliche Verfolgung der Beiträge pochen. 

An dieser Stelle wird von den Befürwortern gerne ins Feld geführt, man müsse sein Wirken und Schaffen im Zeitgeist betrachten. Das allerdings ist nicht nur zu kurz gesprungen, sondern birgt eine riesige Gefahr. Selbstverständlich ist es zulässig, die Äußerungen Luthers aus seiner Zeit heraus verstehen und interpretieren zu wollen. Und man mag schlussendlich sogar die sprachliche Wucht der Äußerungen bis zu einem gewissen Grad relativieren, wenn man die Derbheit und Verrohung als der damaligen Zeit zugehörig versteht – wobei es durchaus auch Zeitgenossen gegeben hat, die einen humanistischen und friedvollen Ansatz vertreten haben.  Das alles darf aber nicht dazu führen, dass wir seine Arbeit heute legitimieren und auch noch mit einem Feiertag ehren. Es macht einen riesigen Unterschied, ob wir den Luther aus Sicht des 16. Jahrhunderts sachlich mit seinen positiven und negativen Seiten bewerten und Bücher darüber schreiben oder seine Person im 21. Jahrhundert feiern. Letzteres ist ein Signal der völligen ethischen Beliebigkeit, das unser Grundgesetz ad absurdum führt. Wie will man beispielsweise Schülerinnen und Schülern die Bedeutung von Menschenrechten näherbringen, wenn man quasi im selben Atemzug einen Tag nicht in die Schule muss, weil die Gesellschaft jemanden ehrt, dem Menschenrechte völlig fremd waren? Der geistige Graben zwischen der gedanklichen Welt eines Martin Luther und unserer, die den Werten des Humanismus und der Aufklärung verpflichtet ist, ist einfach zu groß, so dass die Feierlichkeiten zwangsläufig zu einer unauflösbaren Widersprüchlichkeit führen müssen. 

Für einen schnellen Einstieg in diese Thematik seien folgende links erwähnt:

Update 18.10.2017: In einer früheren Version wurde versehentlich vom 500. Geburtstag gesprochen, gemeint war natürlich der 500. Jahrestag der Reformation.

 

1 Response
  • Dr. Albrecht Elsner
    30. Oktober, 2017

    Wer Folter befürwortet,
    ist für mich gestorben,
    für die Deutsche Regierung offenbar nicht.
    Weg mit diesem Alkoholiker,
    der Halluzinationen und depressive Phasen hatte.
    Der 31.10.2017 ist ein Zwangsfeuertag
    zu Ehren dieses Menschenhassers.

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