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Der Weg zum eigenen Buch

Als Mittvierziger ein Buch schreiben zu wollen ist nichts besonderes, sondern vielmehr vorhersehbar. Die biologische Uhr gibt auch hier den Takt vor, denn von Jahr zu Jahr wächst das Verlangen, die eigene Selbstverwirklichung voranzutreiben und bleibendes zu schaffen. Für jemanden wie mich, der aus einer Familie voller Schreiberlinge stammt und der selbst examinierter -wenn auch ein etwas eingerosteter – Germanist ist, gehört ein Buch demnach zum Pflichtprogramm des Lebens. Dank unserer digitalisierten Welt hat sich aber der Prozess auf dem Weg zum eigenen Buch in den letzten Jahren stark verändert, weshalb ich an dieser Stelle einige Erfahrungen teilen möchte, die für andere nützlich sein können, die ihrerseits den Drang verspüren, ihr Bücherregal um das eigene Werk zu erweitern:

  1. Der Schreibprozess: Hierzu kann ich selbst am wenigsten erzählen, da dieser bei mir in gewisser Weise unterbewusst geschieht. Am 10. August 2017, am adriatischen Strand, fingen meine Finger sozusagen unvermittelt an zu schreiben und irgendwie wusste ich, dass es nach bereits mehreren Anläufe nun auch zu einem Ende kommen wird. Ein wenig Grübeln, ab und an die ein oder andere Recherche, die sich aus den jeweiligen Gedanken ergibt – der Rest ist dann ein für mich undefinierbarer Ablauf, bei dem Wörter aus dem Kopf in die Hände und von dort auf die Tastatur zu fließen scheinen. Am 25. August rief ich dann plötzlich meiner Frau zu: Fertig! Und nur Tage danach habe ich mich beim Lesen des Textes bereits gefragt, wer diesen wohl geschrieben haben könnte. Schreiben ist für mich so flüchtig wie Ether, der in der Sonne verdampft. Insofern wäre ich für eine Schreibwerkstatt völlig untauglich. 
  2. Realitätssinn: Auch wenn einem das, was man schreibt, selbst gefällt und man von seinem persönlichen Umfeld Zuspruch und Ermutigung erfährt, ist die oberste Prämisse, die Realität nicht aus den Augen zu verlieren. Dazu empfiehlt sich, einmal eine Castingshow von Deutschland sucht den Superstar oder ähnlichem anzusehen und gleichzeitig die harte Wirklichkeit der Statistik zu berücksichtigen. Wer eine Tonleiter singen kann, wird noch kein Superstar und genausowenig wird man Bestsellerautor, nur weil man glaubt, drei Sätze fehlerfrei zu Papier zu bringen. Die Wahrscheinlichkeit spricht eine deutliche Sprache und die sagt: Schreib das Buch für dich selbst und wenn du es darüber hinaus noch hundertmal verkaufst, wäre schon das ein großer Erfolg.
  3. Verlag oder self publishing: Wer Punkt zwei ernst nimmt, erspart sich vielleicht gleich den nicht nur langwierigen, sondern meistens auch deprimierenden Prozess der Verlagssuche. Statt mühsam bei vielen Verlagen anzuklopfen und monatelang auf Absagen zu warten, bietet das self publishing die Möglichkeit, selbst zu lernen, wie man ein Buch produziert und vermarktet. Und das ist verdammt interessant und spannend. Mit der sich daraus ergebenden Erfahrung bekommt man eine Grundlage, auf der man bei einem zweiten Buch entscheiden kann, ob es sich lohnt, einen Verlag anzuschreiben, weil man zum Beispiel dann vielleicht auf Erfolge beim Erstlingswerk verweisen kann. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Anbietern mit zum Teil ganz unterschiedlichen Ansätzen und Dienstleistungen, von denen ich mir tredition, BoD, epubli und CreateSpace näher angeschaut und mich schlussendlich für tredition entschieden habe. Hier muss ein jeder prüfen, was für eine Art von Betreuung er wünscht, welche Dienstleistungen benötigt werden, welche Vertriebswege im Vordergund stehen und was man selbst zu zahlen bereit ist. Wer sich tiefer in die Materie des self publishing einarbeiten möchte, dem sei die Seite selfpublisherbibel ans Herz gelegt. 
  4. Das Lektorat: Dabei handelt es sich natürlich um einen unverzichtbaren Bestandteil, wenn man ernsthaft ein Buch veröffentlichen und nicht Gefahr laufen möchte, zum Gespött wegen einer Vielzahl sprachlicher Fehler zu werden. Als Anlaufstelle habe ich den Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren gewählt und dort in einer intensiven Suche viele Beschreibungen gelesen, um jemanden zu finden, der zu mir und meinem Thema passen könnte. Schließlich bin ich zu Frau Mathes von Textstilhaus gelangt, die in meinen Augen einen fantastischen Job gemacht hat und der ich für ihre riesige Anzahl an Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge sehr dankbar bin. 
  5. Das Cover: Der Wunsch nach einem professionell gestalteten Cover führte mich in den spannenden Prozess eines Designwettbewerbs bei 99designs. Mehr als 20 Designer weltweit haben mir basierend auf einem briefing über 70 Vorschläge eingereicht, die dann noch gemäß meiner Wünsche angepasst wurden. In einem zweistufigen Verfahren mit einer Qualifikations- und einer Finalrunde, bei der man selbst den Gewinner kürt, erhält man so ein Design, das man selbst beeinflussen kann. Hier war es Emir Orucevic von studiopulp, der unermüdlich und geduldig meine Wünsche umgesetzt hat, bis wir ein finales Design hatten.  
  6. Der Buchsatz: Um dann alles abzurunden, braucht es neben Elementen wie dem Klappentext schließlich noch einen vernünftigen Buchsatz, bei dem man als Laie besser ebenfalls auf professionelle Unterstützung setzen sollte. Hier bin ich froh, vor Ort einen Freund zu haben, der sich damit von seinem Beruf her bestens auskennt und bedanke mich an dieser Stelle bei Jörg Breidenbach, der sich dem Text angenommen hat.  
  7. Kosten: Wenn man am Ende ein professionell produziertes Buch im self publishing Verfahren in sein Bücherregal stellen will, so hat das auch seinen Preis. Man sollte bei den zuvor genannten Schritten von einem vierstelligen Betrag ausgehen, den man investieren muss, um ein fertiges Produkt zu erhalten. Wer selbst in Word schreibt, über ein kostenloses Grafikprogramm das Cover erstellt und auf die automatisierte Rechtschreibkorrektur setzt, kommt auch mit weniger als hundert Euro zum Ziel. Mein Anspruch war es aber, dass sich mein Buch zumindest äußerlich neben all den anderen sehen lassen kann. Ob das dann auch inhaltlich der Fall ist, müssen künftige Leser bewerten.

Diese Übersicht ist bewusst zu einem Zeitpunkt entstanden, da das Buch selbst erst noch in Produktion gehen wird. Mir war es wichtig, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg und unabhängig von einer potenziellen Vermarktung, zu beschreiben, dass allein der Prozess der Erstellung und Gestaltung eines Buches ungeheuer bereichernd und eine spannende Erfahrung ist. Ich wünsche allen, die sich ebenfalls auf diesen Weg machen, viel Erfolg und freue mich, wenn manche Links in diesem Artikel nützlich sind. Gleichzeitig bin ich auf Kommentare gespannt, wie andere den Prozess durchlaufen haben und was sie vielleicht anders gemacht haben.

 

Foto: ouh_desire / Shutterstock.com

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