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Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus

Beitrag zu G-18/159 – Gemeinderatssitzung 24.7.2018

Die geplante Einrichtung eines Dokumentations- und Informationszentrums über den Nationalsozialismus in Freiburg ist aus Sicht der FDP Stadträte vollumfänglich zu begrüßen. Es ist vom Ansatz her richtig, dass man die Erinnerung an die Ereignisse des letzten Jahrhunderts nicht nur an wenigen Orten mit herausragender Bedeutung pflegt, sondern auch in solchen Städten und Gemeinden, die vielleicht nicht im Zentrum der Geschehnisse standen, aber dennoch Teil des Gesamtsystems waren. 

Der eingeschlagene Weg, Dokumentation, Information und Gedenken an einem Ort miteinander zu verbinden und gleichzeitig ganz bewusst einen Schwerpunkt auf die Einbindung der jungen Generation zu setzen, trifft auf die Zustimmung der FDP. Denn gerade für junge Menschen mit großem zeitlichen Abstand zu den Ereignissen droht das Ausmaß und die Ungeheuerlichkeit der Verbrechen bei einer Beschränkung auf eine reine Dokumentation des Zeitraums zwischen 1933 und 1945 abstrakt zu bleiben, wenn man die Geschichte nicht in einen fassbaren Gesamtkontext einbettet. Daher unterstützen wir nachdrücklich den Wunsch, die inhaltliche Ausrichtung nicht ausschließlich auf den Zeitraum der eigentlichen Naziherrschaft festzulegen, sondern explizit die Zeit davor und danach mit einzubeziehen sowie den Bildungs- und Informationscharakter des Zentrums zu betonen. 

Denn für junge Menschen ist es besonders wichtig, nicht nur die Konsequenzen nationalsozialistischen Handelns vor Augen geführt zu bekommen, sondern sich ausführlich damit zu beschäftigen, wie eine Gesellschaft als Ganzes auf eine derart grausame Entwicklung zusteuern konnte, aber auch, wie schwer es war und ist, sich der Aufarbeitung zu stellen, die bis in die heutige Zeit keinesfalls als abgeschlossen anzusehen ist. Dies erscheint umso mehr geboten, da wir in den letzten Wochen und Monaten mit ansehen mussten, wie leicht Stimmungen in Politik und Gesellschaft kippen können und plötzlich zum Beispiel verzweifelte Menschen in Not nicht nur ungeniert zu Objekten degradiert, sondern auch als Bedrohung stilisiert werden und das nur, um Ängste zu schüren und politischen Profit daraus zu ziehen. Wir erleben, wie leichtfertig durch Parteien und Staatenlenker am rechten Rand quer durch Europa unser vermeintlich sicher geglaubter Stützpfeiler der Menschlichkeit ins Wanken gebracht werden kann und gerade hier kann eine Beschäftigung mit der Vergangenheit helfen, geeignete Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen.

Damit das Thema nicht nur eines unter vielen im Bildungsplan der Schulen bleibt, ist es auch die richtige Idee, das Informationszentrum mit geeigneten Räumen auszustatten, in denen sich die Schülerinnen und Schüler getrennt vom Schulalltag und an besonderem Ort damit befassen können. 

Die bislang in groben Zügen festgehaltene räumliche, finanzielle  und personelle Ausstattung erscheint angemessen und wird im Laufe der weiteren Planungen noch auszutarieren sein. 

Abschließend ist zu wünschen, dass viele Akteure Hand in Hand arbeiten, um das Projekt voranzubringen und dabei unterschiedliche Kompetenzen und Ressourcen eingebracht werden. Es sollte daher ein Trägermodell angestrebt werden, bei denen der Verbund Städtischer Museen Freiburg, das Stadtarchiv Freiburg, aber auch die Landeszentrale für politische Bildung und weitere Institutionen ihre Erfahrungen und Ideen gleichermaßen einbringen können.

 

Beitragsbild: K. Weisser, Holocaust-Mahnmal Berlin 2006, CC BY-SA 2.0 DE

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