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Neues Tarifsystem für Bus und Bahn in der Region Freiburg

Die Einführung der Umweltkarte 1984 und später der heutigen Regiokarte war ohne Zweifel ein Meilenstein für die Entwicklung des ÖPNV in und um Freiburg. Ohne diese einfache und günstige Variante, jederzeit und überall Busse und Bahnen in einem großen Gebiet zu nutzen, hätte es vermutlich niemals so viele Nutzerinnen und Nutzer des Nahverkehrs gegeben, wie das heute der Fall ist. 

Allerdings ist das gesamte Tarifysystem des ÖPNV in unserer Region nun doch in die Jahre gekommen. Es stammt schließlich noch aus der analogen Zeit, als alle ihre Karten an Fahrkartenschaltern kauften und es nicht die vielfältigen Möglichkeiten des modernen Zeitalters gab. Aus früherer Sicht war es logisch und nachvollziehbar, dass man auf Einheitstarife setzte, um ein möglichst einfaches System zu erhalten.

Die Zeit analoger, papiergebundener Tickets nähert sich dem Ende. Bild: Sascha Fiek

Heute geraten diese aber mehr und mehr in die Kritik, da sie nicht die tatsächliche Nutzung des Kunden abbilden und zum Beispiel im Bereich der Einzelfahrscheine derart überteuert sind, dass sich für einen Gelegenheitsnutzer der ÖPNV kaum rechnet und vor allem nicht zu einem Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn einlädt.  

Nicht zuletzt deshalb wurden daher in den letzten Jahren Rufe nach einem Kurzstreckenticket oder nach einem in Zonen unterteilten Tarifgebiet lauter. Doch das wäre angesichts der technischen Entwicklung zu kurz gesprungen. Ob im fernen Singapur, im benachbarten Holland oder selbst in Baden-Württemberg im Rhein-Neckar-Verkehr haben sich längst moderne Tarifsysteme etabliert, die die Chancen der Digitalisierung nutzen. Der ÖPNV Kunde checkt beispielsweise über sein Smartphone oder auch eine eigene Karte mit einem nfc-Chip beim Einstieg in einen Bus oder eine Bahn ein und am Ende der Fahrt wird die tatsächlich zurückgelegte Strecke erfasst. Neben einem geringen Grundpreis werden dann die gefahrenen Kilometer berechnet, im Fall des Rhein-Neckar-Verkehrs z.B. 20 cent/Kilometer. Wer als Gelegenheitsfahrer kurze Strecken fährt, kommt damit sehr viel günstiger weg als mit teuren Einzelfahrscheinen, bei denen es egal ist, ob man nur von einer zur nächsten Haltestelle fährt oder gleich zehn zurücklegt.

Das ETicket mit check-in und check-out wird immer selbstverständlicher. Bild: DV Kernapplikations GmbH & Co. KG, CICO, CC BY-SA 3.0

Umgekehrt lässt sich der Tarif auch ab einer gewissen Strecke deckeln, so dass Vielfahrer nicht mehr bezahlen müssen als bisher mit der guten alten Regiokarte. Auch die Abrechnung innerhalb der Verkehrsverbünde lässt sich so wesentlich genauer darstellen, da exakt nachvollziehbar ist, wie viele Kilometer in welchem Verkehrsträger und in welchem Gebiet gefahren worden sind. Zudem lassen sich auch sozial gestaffelte Tarife in so einem digitalen System verwirklichen. Gleichzeitig muss aber auch Wert auf eine hinreichende Anonymisierung gelegt werden, damit keine Bewegungsprofile von einzelnen Nutzerinnen und Nutzern erstellt werden können und womöglich missbraucht werden.

Denkt man noch einen Schritt weiter, lässt sich so eine App oder Karte für alle Arten von Mobilität nutzen. Denn diese muss nicht auf Busse und Bahnen beschränkt bleiben. Vielmehr könnte man damit z.B. auch ein Fahrrad oder ein Auto im Rahmen von car- oder bike-sharing verwenden, vorzugsweise natürlich in der Elektroversion. Trauen wir uns dann noch einen Schritt über die Verbundgrenzen hinweg, ließe sich das digitale System deutschland- und sogar europaweit einsetzen, so dass es egal ist, ob wir in Berlin oder Lissabon in den Bus steigen oder uns auf das kurzfristig gemietete E-Bike schwingen. Das mag noch ein wenig Zukunftsmusik sein, auch wenn es sich technisch längst realisieren ließe. Hier gilt es vielmehr, dicke politische Bretter zu bohren und dafür zu sorgen, dass die Mobilität in den Köpfen der Verantwortlichen nicht an einer kommunalen oder einer Landesgrenze endet.

Freiburg ist gut beraten, in dieser Frage mutig voranzugehen und mit seinem Tarifsystem in das moderne Zeitalter aufzubrechen, um die digitalen Möglichkeiten auszuschöpfen. Dann werden wir noch mehr Nutzerinnen und Nutzer für den ÖPNV gewinnen und gleichzeitig ein System verwenden, mit dem eine präzise, gerechte und einfache Abrechnung für alle Beteiligten möglich sein wird.

Beitragsbild:Grauer Elefant, Urbos Freiburg, CC BY-SA 3.0

    

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