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45000€ für Dreikönig ? Wann wacht der FDP Landesverband auf?

2009, im Jahr ihres größten Erfolgs, musste die FDP für ihr traditionelles Dreikönigstreffen 4500 Euro Miete für die Staatsoper in Stuttgart zahlen. 2015 wächst dieser Betrag laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung sage und schreibe um das zehnfache auf 45000 Euro an. Und das in einer Zeit, in der Finanzen, Mandate und Wählerstimmen gleichermaßen wegbrechen und nicht abzusehen ist, ob die Talsohle überhaupt schon erreicht ist. Doch ungerührt davon scheint man in Stuttgart gewillt zu sein, diesen Betrag um der Tradition wegen aufzubringen und freut sich vermutlich noch über den großartigen Verhandlungserfolg, dass nicht gleich 60 000 Euro zu bezahlen sind.
Die oberste Prämisse in unserem Landesverband ist offensichtlich, den Kurs der Vergangenheit um jeden Preis zu halten. So wurde nach den Wahlniederlagen zunächst das politische Führungspersonal weitgehend beibehalten und der Landesvorstand überwiegend mit abgewählten Abgeordneten und ehemaligen Amtsträgern besetzt.
Lediglich Hosam El Miniawy schaffte es als einziges neues Gesicht in die Führungsspitze. Auch in der Landesgeschäftsstelle blieb schön alles beim alten; gleiches Personal, gleiche Struktur, gleiche Arbeit. Erfreut werden wir dafür mit täglichen Pressemitteilungen zum tagespolitischen Geschäft, so als ob bei der FDP nie etwas passiert wäre. Und auch nach Berlin in den Bundesvorstand wurde das bewährte Personal entsendet. Schließlich zeichnet sich auch die inhaltliche Arbeit vor allem durch Kontinuität aus.
Da passt es voll und ganz in das Bild, dass auch die Dreikönigskundgebung in der Stuttgarter Staatsoper als heilige Kuh gesehen wird, die man nicht wegen der Mitglieder, sondern aus Angst vor der totalen medialen Bedeutungslosigkeit schützen will. Anstatt den politischen Liberalismus neu zu formieren und sich zunächst in Zurückhaltung und Konsolidierung zu üben, um dann mit klaren Botschaften auf die Menschen zuzugehen, will man der Vergangenheit treu bleiben. Es soll das Bild einer altehrwürdigen, traditionsreichen und staatstragenden Partei gepflegt und immer wieder das berühmte Stammland der Liberalen beschworen werden. Doch diese FDP wurde von den Abgeordneten, den Regierungsmitgliedern und der Führungsmannschaft in den letzten Jahren derart zugrunde gerichtet, dass ein einfaches weiter so nicht mehr reicht. Die Zeit mag viele Wunden heilen, aber im Fall der FDP sollte man nicht auf Zeit spielen, sondern endlich die Ärmel hochkrempeln und anpacken.
Eines der wesentlichen geistigen Fundamente der FDP liegt in der Geschichte der Aufklärung. Deren Protagonisten haben uns unter anderem gelehrt, dass man auch Traditionen auf deren Sinnhaftigkeit hin überprüfen muss. Will die FDP für einen progressiven Kurs stehen und eines Tages wieder als politische Avantgarde Erfolge feiern, dürfen wir jetzt nicht den Fehler machen, die Chance auf einen echten Neuanfang zu verspielen. Statt zu zögern und zu zaudern, gilt es, Reformen anzustreben, anstatt sich an die Vergangenheit zu klammern.

15 Responses
  • pbaumi
    25. Juli, 2014

    Danke, Sascha. Ich habe mich als Externer bewußt zurückgehalten. Genau das dachte ich heute Morgen auch. Eigentlich müsste man mal ein basisdemokratisches liberales SUPER-PAC gründen, das (für bestimmte Projekte) die Ausgabensteuerung übernimmt. Die generelle Problematik beschränkt sich nämlich nicht auf BW oder nur auf die Partei.

  • Frank Drewello
    25. Juli, 2014

    Auch bei allen anderen Sparbemühungen im In- und Ausland wird es immer alte Zöpfe und heilige Kühe geben. Abschneiden!
    Zeichen setzen, Beispiel geben!
    Für alle Ausgaben gibt es immer eine gute Begründung. Trotzdem würde ein ehrenwerter und vernünftiger Kaufmann nicht an grossen Ausgaben festhalten, wenn Umsatz und Gewinn gerade weg gebrochen ist.

    • Manfred Portmann
      28. Juli, 2014

      Super Kommentar Frank !!

  • NvGayling
    25. Juli, 2014

    Mutig! Richtig! Aber auch auf Bezirks- und Kreisebene NEUE, MUTIGE, JUNGE , UNVERBRAUCHTE LEUTE, DIE WIEDER MAL BEGEISTERT WERDEN SOLLTEN VON DEN „FREIBURGER THESEN“ UND DEM DAMALIGEN AUFBRUCH ZU EINER SOZIALLIBERALEN KOALITION IN BONN; es WÜRDE, es könnte die Stunde der Julis sein?!?!

  • Martin Weber
    25. Juli, 2014

    Zunächst ist es für mich kein Widerspruch an der Tradition festzuhalten und dabei auf das Geld zu schauen. Es müsste nach einer Alternative, was die Räumlichkeit angeht, gesucht werden – es muss nicht die Staatsoper sein!
    Jedoch: Insgesamt bin ich dafür, die aktuelle Diskussion zu nutzen, um die Kundgebung aufzugeben. Mein Vorschlag: Ein jährlicher landesweiter Aktionstag aller Orts- und/oder Kreisverbände unter dem Motto „Liberales Baden-Württemberg“, z.B. an einem festgelegten Samstag im Frühling oder Frühsommer. Der Aktionstag könnte durchaus auf die ganze Republik ausgeweitet werden.
    Ich hatte mehrfach vorgetragen, dass ich nicht mit dem sturen Festhalten am 05.01. als Termin für den Parteitag des Landesverbandes einverstanden bin. Die Mehrzahl der Delegierten ist ehrenamtlich für die Partei engagiert. Deshalb lehne ich Parteitage „unter der Woche“ ab, damit auch Berufstätige stressfrei teilnehmen können.

  • Nicole Kaiser
    25. Juli, 2014

    Ich finde auch: Es muss nicht die Staatsoper sein, um die Tradition vorzuführen!
    Es ist echt eine Unverschämtheit, so viel Geld zu verlangen – da sollte man den Raum wechseln. Ein Aktionstag, wie es Martin Weber vorschlagt, finde ich super!!!
    liebe Grüße

  • T. Brugger
    25. Juli, 2014

    Als kleiner Gastwirt kann ich die Entscheidung der Parteiführung FÜR die Staatsoper (lt. Badischer Zeitung) in keinster Weise nachvollziehen. Die Begründung für die exorbitante Mieterhöhung als Spielausfall-Ersatz zu titulieren ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, jedoch muss ich mich schon fragen, welches Parteibuch der Zuständige der Staatsoper hat. Rot? Grün? Dunkelrot? Mir kommt es nämlich so vor, als ob man hier die FDP absägen will. Wie auch immer hat diese Angelegenheit ein starkes „G´schmäckle“ für mich. Umso mehr muss das publik gemacht werden. Ein Leitkommentar in der Stuttgarter Zeitung mindestens, besser noch ebensolcher in einer überregionalen Tageszeitung.
    Natürlich wäre das auch für die FDP gut, „im Gespräch bleiben“ nenne ich das…
    Übrigens habe ich mein SKY-Abo auch gekündigt. Preiserhöhungen von rund 100% im letzten Jahr, und nochmal ca. 50% in diesem Jahr… man muss ja nicht alles mitmachen, wie z.B. auch die Stuttgarter Staatsoper.

    Herzliche Liberale grüße

  • R. Lutz
    25. Juli, 2014

    Ein unvergleichlicher Rahmen: das Dreikönigstreffen der FDP lebt nicht nur von mehr oder weniger starken Rednern, sondern auch vom Flair des Staatstheaters.

    hier:

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.dreikoenigskundgebung-in-stuttgart-fdp-laesst-sich-nicht-aus-der-oper-vertreiben.36f91444-c01b-41d0-b9f0-c25bd448b803.html

    … es geht schon um Flair.

    Ein neues Programm spricht mich eher an.

    mfg
    rlz

  • Martin
    26. Juli, 2014

    Ob 20 Sekunden in den Nachrichten 45.000 Euro wert sind? Ja. Aber nur wenn was rüber gebracht wird. Es wäre eine schöne Guerllia-Werbeplattform. Aber nicht wenn darüber berichtet wird, dass Oma Müller ihren 70. Geburtstag feierte. Wenn schon der Reporter kommt, dann sollte es Oma auch ein bisschen krachen lassen 😉
    Ich sag (als alter Online-Werbefuzzi) immer: Geld für Werbung, egal wie viel, ist eigentlich scheißegal – wenn’s was bringt! Wenn’s nix bringt, dann ist geschenkt eigentlich schon zu teuer.
    Liebe Grüße

  • Martin Leins
    26. Juli, 2014

    Ja, auch für dieses Thema sollte es eine Rückmeldung von der Basis an die Spitze geben.
    PR ist wichtig, nur wer klappert, fällt auf. Auch die Botschaft von der Parteispitze an die Mitglieder ist wichtig, auch zu zeigen, wie sie sich darstellen, auf der Bühne. Wie können sie reden oder eben (hoffentlich nicht) nur stagsen. Nicht jeder ist für diese Position im Rampenlicht geschaffen.
    Aber diese neue Preisstellung für die Räumlichkeiten in Stuttgart passt nicht mehr ins Bild für eine Partei, die die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung signalisieren möchte.
    Ich selbst bin begeisterter Anhänger des medienwirksamen Starkbierfassanstichs auf dem Nockherberg. Es gelingt dabei auf einzigartige Weise den Bürgern die aktuellen politischen Themen und auch die Unzulänglichkeiten der Regierenden samt der Opposition „ans Volk“ zu bringen.
    Politiker werden zu Menschen und komplizierte Themen zu einfachen Streitpunkten.
    Mit diesem einzigartigen Kabarett wird dem Wahlbürger in kompakter Form die Aufklärung zur politischen Landschaft geboten, die ihn tatsächlich „wahlmündig“ machen kann.
    So etwas würde ich mir für Baden-Württemberg auch wünschen.
    Liberales Gedankengut hat gerne das Problem, dass, wenn es sachlich vorgebracht wird, nur auf Desinteresse oder Ablehnung stößt. Wird es dagegen in Humor verpackt, fühlt sich eine viel größere Zielgruppe angesprochen und man wird noch lange Zeit, wenn auch schmunzelnd, darüber mit einer bestimmten Grundstimmung sich daran erinnern.
    Ich bin schon heute gespannt drüber, wie viele politische Geisterfahrer es beim nächsten Nockherberg geben wird. Ich bin mir sicher, da werden neben Herrn Dobrindt noch andere „Falschfahrer“ ausgemacht werden.
    Es ist sowohl ein sogenanntes Drei-Königs-Treffen an einem bundesweiten Feiertag sinnvoll, wie auch eine medienwirksame kritische Auseinandersetzung mit der Politik und der eigenen Partei und ihren Köpfen nötig.
    Und uneigennützig wie man sein sollte, so schlage ich hier als Veranstaltungsort die Stadthalle in Lahr vor. Lahr ist die Stadt der Landesgartenschau 1918 und sollte so eine Veranstaltung schultern können. Durch die Nähe zu Rust ist die Infrastruktur für die politische Prominenz sichergestellt, selbst der Papst landete auf dem Lahrer Flugplatz, als er Freiburg besuchte. Und die winterlichen Wetterbedingungen sind hier auch sehr viel angenehmer als im schlecht belüfteten Stuttgarter Kessel.
    Und sowohl Offenburg wie auch Freiburg werden sicherlich ebenfalls gerne Gastgeber für die FDP zu sein.
    Mit herzlichen liberalen Grüßen
    Martin Leins

  • Christl Gräber
    26. Juli, 2014

    Christl Gräber
    Diese Mieterhöhung für das Theater ist eine Frechheit und wenn man hier wirklich die politische Schiene spielt-sollte man ROT und GRÜN stellen und das sehr schnell,auf keinen Fall sollte man dort die Veranstaltung machen,das versteht der Bürger draußen nicht,im Gegenteil es schadet nur der FDP—unsere obere ladesliga sollte sich mal gedanken machen,neue kreative Ideen umsetzen und nicht die jungen Leute behindern—entweder – umdenken oder den Hut nehmen,das wäre die Konsequenz und zwar so schnell es geht hir um das überleben einer Partei mit großer Traduiition und nicht um den Egoismus einzelner -selbstverliebter Herren.
    Mit herzlich liberalen Grüßen Christl Gräber aus Emmendingen
    PS. den Europa-Park könnte ich mir sehr gut als Ersatz vorstellen !!!!!!!!!!!

  • Matthias Weber
    26. Juli, 2014

    Ich denke diese Sache ist etwas um die neue „Offenheit“ der FDP gegenüber Mitgliederentscheid unter Beweis zu stellen. Ich persönliche würde schon gern mitentscheiden wollen, was mit meinen Mitgliederbeiträgen passiert.
    Bei „Steuerverschwendung“ propagiert die FDP ja auch immer, dass bei Großprojekten der Bürger mitentscheiden sollte. Das müssen wir auch in diesem Fall tun. Nicht jede Tradition muss bewahrt werden, manche können und müssen auch gebrochen werden.

  • Erich W. Burrer
    27. Juli, 2014

    Wir machen uns im Ortsverein Bad Dürrheim Gedanken, wie wir die Arbeit ohne jede Hilfe vom Landesverband, ohne Sekretärinnen und ohne professionelles Marketing ehrenamtlich bewältigen sollen. Da verschlägt es einem die Sprache, wenn man liest, wie wirkungslos unser Geld investiert wird.
    (Hallen gibt es, wie die Parteifreunde erwähnen, die preiswerter sind). Wir brauchen Präsenz in der Presse, kein Staatstheater. Herzliche Grüsse Erich Burrer

  • Matthias Koesler
    28. Juli, 2014

    Politik wird nicht durch schöne Umgebung vermittelt, sondern durch Inhalte.
    Wenn dann die Mitgliedsbeiträge so verschleudert werde, nagt das an der Glaub-
    würdigkeit der FDP. Wie kann man dann Steuerverschwendung und Bürokratie
    anprangern und dann einfach das 10-fache !! für die gleiche Leistung bezahlen ?
    So geht man nicht mit Mitgliedsbeiträgen um.

  • Felix Fischer
    28. Juli, 2014

    Ich kann mich der Mehrzahl der obigen Kommentare anschließen. Eine Miete von 45.000 EUR für ein paar Stunden Staatsoper aufzuwenden steht außer Verhältnis. Wir sind es, die Basis, die jeden Euro doppelt und dreifach umdrehen müssen um einen engagierten Wahlkampf vor Ort zu machen! In letzter Zeit kamen zahlreiche undurchdachte Umfragen seitens der Bundes- und Landespartei. Man kann nicht Graswurzeldemokratie predigen und das Gegenteil machen. Statt dieser unsinnigen Umfragen fordere ich solche mit klären und erkennbaren Themen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Befragung mit dem Titel: „Wollen sie am Veranstaltungsort Stuttgarter Staatsoper für die Dreikönigskundgebung auch zum Preis von 45.000 EUR festhalten? Ja oder nein.
    Warum fand eine solche Befragung nicht statt. Konnte man das Ergebis bereits erahnen und hatte man Angst vor selbigem?

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